Kosten für den Umbau auf Elektroantrieb

In letzter Zeit diskutieren wir sehr oft per Mail über die Kosten für den Umbau eins gebrauchten Fahrzeugs auf Elektroantrieb. Ein günstiger Gebrauchter aus mobile.de oder mein treuer Golf, der jetzt leider einen neuen Motor braucht, ein paar Batterien plus E-Motor – das kann doch nicht viel kosten. Auf keinen Fall so viel wie ein neues Auto.

 

Aber, ist das wirklich so?

Gebrauchte Autos, neue Autos, für den normalen Einsatz als Pendelfahrzeug, Familienfahrzeug, also alles was eindeutig kein Luxus ist, wurden/werden massenhaft hergestellt. Die Kostenskalierung, erlaubt es Autos zu verhältnismäßig günstigen Preisen zu produzieren. Das gilt für jeden Massenartikel, egal ob Auto, Kühlschrank oder Fernseher. Massenhaft produzierte Teile lassen sich günstig herstellen. Ein schönes Beispiel sind Flatscreen-TVs. Vor 10 Jahren hat so ein Full-HD-Fernseher, ganz neu am Markt, 10.000 € gekostet. Jetzt bekommt man das gleiche Teil für 500. Die benötigten Panels der Geräte werden heute, im Gegensatz zu vor 5 Jahren, massenweise vollautomatisch hergestellt und kosten deshalb nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Kosten.

Die Komponenten speziell für Elektrofahrzeuge sind wie die Panels für HD-Fernseher vor 10 Jahren – Einzelstücke, Spezialanfertigungen, Prototypen. Wir stehen ganz am Anfang der Entwicklung, fern von jeder Massenfertigung, geschweige denn automatischer Produktion.

 

Ikea Schrank oder Massanfertigung vom Schreiner?

Ein gebrauchtes Auto zu konvertieren entspricht der Massanfertigung beim Schreiner. Kein Auto ist gleich, d.h. um die Komponenten zu verbauen muss man für jeden Fahrzeugtyp von vorne anfangen – das Gegenteil von Automation. Selbst wenn das gleiche Auto dann 2x, 5x oder 20x gemacht wird – die Stückzahlen, um günstiger einzukaufen werden niemals erreicht.

Den Umbau von gebrauchten Autos kann man durch einen gewissen Vorfertigungsgrad erleichtern und minimal Beschleunigen. Smarts umzubauen geht für uns schneller von der Hand als ein Golf, weil viele Teile schon mal konstruiert wurden und nun einfach angefertigt oder bestellt werden können. Dieser Erstaufwand muss für jedes neue Modell erneut betrieben werden. Die Batteriewanne vom Smart passt in kein anderes Auto. Halterungen, Kabellängen, Batteriekästen, usw. müssen angepasst werden so dass eine sichere und langlebige Funktion gewährleistet ist. Schließlich redet hier in Deutschland (Europa) noch der TÜV ein Wörtchen mit, bevor man ein umgebautes Auto offiziell auf der Strasse fahren darf.

Der TÜV ist noch mal ein Thema für sich, da nicht jede Prüfstelle über Personal verfügt, dass sich mit E-Mobilen genauso gut auskennt wie mit herkömmlichen Autos. Unsere TÜV-Termine dauern inkl. HU und einem kleinen “Tratsch”, in der Regel nicht länger als 30Min. Der Prüfer kennt das Auto, die Komponenten, die Qualität des Umbaus. Ist das bei Ihrem Prüfer, der etwas vollkommen Neuartiges präsentiert bekommt auch der Fall? Das sollte auf jeden Fall vor dem Umbau geklärt werden. Auch hier gibt es keinen Automatismus, keinen einheitlichen Standard, sondern nur Einzelabnahmen, die entsprechend kostspielig sein können.

 

Rechnet sich die Investition?

Vergleicht man nur die Anschaffungskosten für ein Benzin- oder Elektroauto lässt man zwei entscheidende Kostenfaktoren aus: Betriebskosten und Servicekosten. Erstere lassen sich auf einen Schlag durch 4 teilen – ein Blick auf die steigenden Spirtpreise genügt. die Servicekosten gehen gegen Null, da nicht mehr viel im Auto verbaut ist, was des Service bedürfte.

Die Reduktion um den Faktor 4 ergibt sich vor allem aus der besseren Effizienz des elektrischen Antriebsstrangs. Ein Wirkungsgrad von fast 90% im Vergleich zu 25% beim Verbrenner legt nahe, dass man hier viele Verbrauchskosten sparen kann. Im Stau, wo täglich allein in Deutschland 30 Mio. Liter verbrannt werden, braucht ein E-Fahrzeug keine Energie – null, nada, niente.

Um hier nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen muss man eine Rechnung der Gesamtkosten über 5 – 9 Jahre aufmachen. Anschaffungspreis, Betriebs- und Werkstattkosten, Versicherung und Steuer. Sehr schön war neulich der Kommentar eines Interessenten, der ein Cabrio in der Z4 – AudiTT Klasse umbauen wollte, dann aber die Vergleichswerte von einem Diesel Lupo zur Bemessung der Umbaukosten herbeizog. Besser kann man das mit den Äpfeln und Birnen nicht darstellen :–)

Bei den jetzigen (und steigenden) Benzinpreisen ist der Umbau eines Autos, selbst in einem Land wie Deutschland mit hohen TÜV-Auflagen und ohne Förderung beim Kauf, wirtschaftlich schon interessant. Alle anderen Vorteile, wie die Unabhängigkeit von Öl, die Möglichkeit seinen Strom via PV selber zu produzieren und Mobilität mit einem rundweg guten Gewissen zu genießen kommen ja noch dazu.

Ich empfehle allen Interessierten sich in unserer FAQ-Rubrik mit dem Thema und den Gegebenheiten auseinander zu setzen. Wir haben versucht das Thema Umbau so gut es geht zu Beleuchten und die wichtigsten Fragen zu Beantworten.

Einen guten Überblick welche Marken und Modelle überhaupt schon konvertiert wurden finden Sie auf EVALBUM.com. Hier sind 3.778 Umbauten auf Elektroantrieb per Steckbrief dokumentiert – teilweise auch mit Angaben der Kosten. Viele dieser Autos wurden in den USA umgebaut, wo es einen TÜV, wie wir ihn kennen, nicht gibt und auch niemand EMV-Zertifikate sehen will. In den USA ist ein Auto fertig, wenn es fährt – in Deutschland nach dem TÜV. Großer Unterschied.

Neufahrzeuge

Zumindest müssen Umgebaute doch günstiger sein als ein komplett neu gebautes Auto. Das kommt sehr auf die Perspektive an. Vergleicht man den CO2-Footprint (der ist nirgendwo eingepreist), dann hat ein konvertiertes Auto einen uneinholbaren Vorsprung gegenüber jedem neuen Auto. Ein Kleinwagen wie der Smart verbraucht in der Produktion ca. 30.000kWh Energie. Mit dieser Energie kann ein umgebauter Smart 200.000km weit fahren. Selbst wenn man berücksichtigt, dass beim Umbau und der Produktion von Batterien und Motoren auch Energie verbraucht wird, kann kein Neuwagen diesen Vorsprung wett machen.

Ab 2015 verändern die Grenzwerte der EU die Situation für die OEMs dramatisch. Jeder Hersteller mit einem Flottenausstoß von über 130g/km wird ab 2015 voll zur Kasse gebeten. Da sieht es für die deutschen Hersteller nicht gerade komfortabel aus. Mercedes, z.B., liegt bei derzeit ca. 160g/km – Kostenpunkt 2015 = 1 Milliarde €. Jeder der 20.000 Smarts die bis 2015 verkauft werden sollen wird 1,5x angerechnet und senkt den Flottenausstoß auf ca. 145g/km. Kostenersparnis 400 Mio. €. Diese Beträge, die sowieso anfallen, egal ob man Elektroautos baut oder nicht, können verwendet werden um Autos zu subventionieren und den Einstiegspreis auf ein verträgliches Maß zu drücken.
Hersteller können auf diese Weise Strafzahlungen in Investitionen ummünzen. Man präsentiert sich als Elektroauto-Pionier und kann gleichzeitig mit dem Rest der Flotte weitermachen wie bisher.

Diese Mechanismen stehen kleinen Firmen, die sich im Bereich Umbauten bewegen, nicht zur Verfügung. Wie sich die Preise zusammensetzen ist für Endkunden nicht von Belang – hier zählt wo man den günstigsten Preis bekommt. Die Stärke von kleinen Firmen liegt in der Flexibilität Autos umzubauen, die von der Industrie nicht angeboten werden.

 

Viele Grüße, Christian]
TURN-E

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